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Das Kind vom Nikolaus? – Zum ersten Advent gibt’s heute einen Ausschnitt aus Nikolinas Abenteuern:

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“Weißt du was, wenn du so schlecht schimpfen kannst, dann darfst du mich behalten.”
Das Lächeln, das das Mädchen zu ihm heraufschickte, war dem Nikolaus nicht geheuer. Was für ein Unsinn. Was sollte er denn mit einem kleinen Mädchen? Das störte doch nur, wenn er in Windeseile alle Kinder der Welt beschenken musste. Es fiel vielleicht vom Schlitten, purzelte durch den Himmel und blieb mit dem Kopf im Schnee stecken. Und er konnte es dann wieder aufsammeln. Nein, nein. Das ging nicht.

“Wie heißt du denn, Kleine?”, fragte er.
Das Mädchen sagte: “Ich heiße Lina N…”, doch als sie sah, dass der Nikolaus nach seinem Goldenen Buch griff, verstummte sie mitten im Wort. Er würde ihren Namen im Buch finden und sie zurückbringen. Da war sie sich sicher. “Äh, ich, äh, ich heiße … Lina, Lina Nnnnn-ikolaus”, fiel ihr plötzlich ein. Wenn es kritisch wurde, fiel Lina immer etwas ein. Der Nikolaus hatte sein Buch bereits bei “N” aufgeschlagen, doch jetzt ließ er es sinken.

“Mit dem Nachnamen ‚Nikolaus‘ steht aber kein Kind im Buch. Das weiß ich ganz genau”, sagte er.

“Nein? Das ist aber gemein!” Lina zog eine beleidigte Schnute. “Dann musst du mich schnell eintragen. Sonst bekomme ich am Ende gar keine Geschenke! Und das wäre doch komisch, wenn ausgerechnet ich als Kind des Nikolaus vom Nikolaus vergessen würde.”

„So ein Unsinn. Der Nikolaus hat keine Kinder. Das weiß doch jeder. Und jetzt sag mir, wie du wirklich heißt.“
Aber der Nikolaus bemühte sich vergebens, den richtigen Nachnamen Linas herauszubekommen. Das Mädchen blieb dabei: Von jetzt an gehörte sie zum Nikolaus.

“Sollidesmädelwiederindensackstecknunddeneisbeinsvordietürstelln?”, knurrte Knecht Ruprecht. Aber das wollte der Nikolaus dann auch nicht. Also kam Lina erst einmal mit.

“Hü!”, rief der Nikolaus. Die sechs Rentiere vor dem Schlitten zogen an und die Glöckchen am Wagen klingelten lustig.
“Huiiiiiii”, schrie Lina in den Fahrtwind, der ihr um die Nase pfiff. Sie hatte es sich mit den leeren Säcken hinten auf der Ladefläche bequem gemacht. Über ihr blitzten die Sterne. Viel näher als sonst. Unter den Kufen flitzte die verschneite Welt vorbei und schrumpfte zusammen auf Spielzeuglandgröße. Lina spürte, dass sie bald schon weit fort sein würde von dem, was andere ihr Zuhause nannten. Ja, es war eine gute Idee gewesen, sich im Sack des Nikolaus zu verstecken.

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